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Sabine Witfeld

Was ist Obedience?

Wörtlich übersetzt bedeutet Obedience einfach nur Gehorsam, Fügsamkeit oder auch Gefügigkeit. In Obedience Wettkämpfen wird das kooperative Verhalten des Hundes überprüft. Besonders wird der gute Kontakt zwischen Hund und Hundeführer sowie die bereitwillige Zusammenarbeit des Hundes, auch wenn er sich in Distanz zum Hundeführer befindet, bewertet.

Oft wird der Hundesport Agility mit dem Springreiten verglichen und Obedience mit dem Dressurreiten. Für mich ist Obedience eher vergleichbar mit der anspruchsvollen Ausbildung der Pferde an der Spanischen Hofreitschule in Wien, auch die "hohe Schule" genannt.

In der „hohen Hundeschule“ Obedience werden zuerst die natürlichen Bewegungen des Hundes und seine Auffassungsgabe sowie das Umsetzungsvermögen des Hundeführers analysiert. Schritt für Schritt lernt der Hund durch systematisches Training die jeweiligen Übungen im Obedience kennen. Das Ergebnis ist eine unvergleichliche Harmonie zwischen Hund und Hundeführer – und das über viele Jahre hinweg.

Meine ganz persönliche Interpretation von Obedience lautet:

Obedience ist ...

  • ... Harmonie und Vertrauen auf höchster Ebene zwischen Hundeführer und Hund.
  • ... abwechslungsreich und ausgesprochen anspruchsvoll.
  • ... konstante Perfektion - wenn es mit "Köpfchen" ausgeübt wird.
  • ... den Zuschauer die Freude an der Teamarbeit sehen zu lassen.
  • ... Geschmeidigkeit und Gewandtheit der Hunde.
  • ... Forderung höchster Konzentration von Mensch und Hund bei der Arbeit.


Obedience ist aber auch ...

  • ... keine neue Sportart, wie viele denken. In England und den skandinavischen Ländern wird Obedience schon mehrere Jahrzehnte ausgeübt.
  • ... kein unterdrücktes Führen des Hundes. Im Gegenteil, im Obedience soll der Hund so ausgebildet sein, dass er nach Aufforderung freudig und selbstständig die gewünschten Aufgaben erfüllt.
  • ... für Menschen geeignet, die genügend Geduld und Zeit aufbringen, um ihren Hund die Basis des Obedience verständlich zu vermitteln.
  • ... kein Brüllen der Kommandos, sondern ein harmonisches Miteinander.

 

Obedience offiziell (Quelle: VDH Obedience Prüfungsordnung)

Die deutsche Obedience Prüfungsordnung sieht vier Leistungsstufen vor, die aufeinander aufbauen. Um in der Beginner Klasse startberechtigt zu sein, bedarf es einer offiziell bestandenen VDH Begleithundeprüfung

Die Durchführung der Beginner Klasse, Klasse 1 und Klasse 2 werden durch die VDH Obedience Prüfungsordnung (VDH OB PO) geregelt. Diese Klassen sind angelehnt an die FCI Klassen 1 und 2, eine zwingende/automatische Anpassung an Veränderungen erfolgt nicht. Die Klasse 3 wird durch das FCI Reglement vorgegeben und entspricht der FCI internationalen Obedience Klasse 3.

Jede Übung hat ihren eigenen Koeffizienten. Je höher der Koeffizient ist, desto mehr Punkte sind in der Übung erreichbar. Der Koeffizient zeigt auch den Schwierigkeitsgrad bzw. die Wertigkeit einer Übung an.

Der Richter vergibt seine Punkte zwischen 0-5, 5,5, 6,0, 6,5, 7,0, 7,5, 8,0, 8,5, 9,0, 9,5, und 10. Die erhaltenen Punkte werden mit dem jewieligen Koeffizienten der Übung multipliziert. Die Summe aller Übungen wird addiert und ergibt dann die Gesamtpunktzahl der Prüfung. 


Auszeichnungen und Punkte in Beginner Klasse und Klasse 1

 Formwertnote  Punkte
 Vorzüglich
 224 - 280,0 Punkte 
 Sehr gut
 196 - 223,5 Punkte
 Gut  140 - 195,5 Punkte

In der Beginner Klasse und Klasse 1 bedarf es zum Bestehen der Prüfung eine Mindestpunktzahl von 140 Punkten. Zum Aufstieg in die nächsthöhere Klasse benötigen Sie mindestens 224 Punkte.

Auszeichnungen und Punkte in der Klasse 2 und Klasse 3 

 Formwertnote  Punkte
 Vorzüglich 
 256,0 - 320,0 Punkte  
 Sehr gut
 224,0 - 255,5 Punkte
 Gut  192,0 - 223,5 Punkte 

In Klasse 2 und Klasse 3 können maximal 320 Punkte erreicht werden. Um in die nächsthöhere Klasse aufsteigen zu können, müssen mindestens 256 Punkte erreicht werden. Eine Obedience-Prüfung in Klasse 2 und 3 ist erst bestanden, wenn das Team 192 Punkte am Prüfungstag erreicht hat.

Zu den Punktewertungen werden auch noch Formwertnoten vergeben, die von der jeweiligen Gesamtpunktezahl abhängig sind.


Im Obedience werden neben den Grundübungen wie Sitz, Platz und bei Fuß gehen noch viele andere interessante Elemente eingebaut.

Dazu gehören z.B.:

  • das Apportieren von einem Metallapportel,
  • das Suchen des Hundeführer-Holzes aus sechs gleich aussehenden Hölzern (Eigenidentifikation),
  • die Distanzkontrolle (Sitz, Platz, Steh aus der Entfernung),
  • das Voraussenden in ein Quadrat, markiert mit vier Pylonen.


 Die Übungen:

VDH OB PO Beginner Klasse

VDH OB PO Klasse 1

  1.

Verhalten gegenüber anderen Hunden

  1.

2 Minuten Liegen - Hundeführer außer Sicht

  2.

Stehen und Betasten

  2.

Freifolge

  3.

2 Minuten Liegen mit Sichtkontakt

  3.

Steh aus der Bewegung

  4.

Leinenführigkeit

  4.

Abrufen

  5.

Sitz aus der Bewegung 

  5.

Sitz aus der Bewegung

  6.

Voraussenden in ein Quadrat 

  6.

Voraussenden in ein Quadrat

  7.

Abrufen

  7.

Apportieren

  8.

Apport auf ebener Erde 

  8.

Distanzkontrolle

  9.

Kontrolle auf Distanz 

  9.

Sprung über eine Hürde

10.

Gesamteindruck

10.

Gesamteindruck

 

VDH OB PO Klasse 2

FCI Klasse 3

  1.

1 Minute Sitzen - Hundeführer in Sicht

  1.

2 Minuten sitzen

  2.

Freifolge

  2.

4 Minuten liegen

  3.

Steh und Sitz aus der Bewegung

  3.

Freifolge

  4.

Abrufen mit Steh

  4.

Steh, Sitz und Platz aus der Bewegung

  5.

Voraussenden in ein Quadrat mit Platz und Abrufen

  5.

Abrufen mit Stehen und Platz

  6.

Apportieren mit Richtungsanweisung

  6.

Voraussenden in ein Viereck

  7.

Identifizieren eines Gegenstandes und Apportieren

  7.

Bringen auf Anweisung

  8.

Distanzkontrolle

  8.

Metallapport über die Hürde

  9.

Apportieren eines Metall- oder Holzgegenstandes über eine Hürde

  9.

Geruchsunterscheidung

10.

 Gesamteindruck

10.

Kontrolle auf Distanz


Ein Hund ist nie stur, er gibt seinen Hundeführer lediglich die Zeit, um über seine Ausbildungsmethode nachzudenken.

 

 
 

© 2009 Obedience by Sabine Witfeld